Erstellt am:14.8.2025- Zuletzt aktualisiert:14.8.2025
Eine MS-Patientin erzählt im Sprechzimmer, dass sie „nach acht Jahren erstmals wieder durchgeschlafen“ hat – keine endlosen Spastik-Wellen mehr in der Nacht, weniger Nebel am Morgen. Ein anderer berichtet, er könne wieder mit seinem Kind Fußball spielen; ein Patient mit Epilepsie arbeitet nach selteneren, milderen Anfällen wieder Vollzeit. Für Dr. Viviane Küllmar ist Medizinisches Cannabis kein Wundermittel, aber oft der fehlende Baustein, wenn Standardtherapien Nebenwirkungen häufen oder zu wenig greifen – mit spürbaren Alltagsgewinnen, die Statistik-Tabellen selten einfangen.
Ich will es mal so formulieren für mich ist Cannabis eine weitere Möglichkeit. Und gerade wenn es dann um Medikamente geht, wie Opioide mit ihren Nebenwirkungen, die wirklich nicht klein sind und auch nichts, wo man jetzt schnell mal mal eben darüber hinwegsehen könnte. Da ist es dann andersrum aber auch so, dass es auch manchmal schon reicht, die entsprechenden Medikamente, die man sonst dafür benutzt hat oder verordnet bekommen hat, komplett weglassen zu können.
Und alleine durch das, was die Menschen jetzt erleben im Sinne von frei werden, von sehr vielen sehr unangenehmen Nebenwirkungen, Symptomen. Es ist da halt so, dass ich das Gefühl habe, dass viele Menschen wirklich super super dankbar sind. Und das ist vollkommen unabhängig vom Alter und vom Geschlecht und vom Anliegen, dass es einfach etwas gibt, was besser funktioniert.
Und ich persönlich hatte es wirklich von Anfang an, sagen wir, ich fand das interessant. Ich fand die Möglichkeit absolut vorhanden und für mich war es so, dass es im Grunde aus dem chirurgischen Denken für mich so ein bisschen in biochemische das Denken sich gewandelt hat und man dadurch aber auch wirklich ganz klar sagen kann okay, ich sehe die Leute jeden Monat alle paar Wochen.
Man spricht mit den Leuten, man tauscht sich aus, aber man erlebt es auch wirklich an den Menschen selbst mit, wie unglaublich gut es den Menschen tut, zum Beispiel nach acht Jahren mal wieder durchschlafen zu können oder statt total, ja sagen wir mal Nebenwirkungs überladen irgendwo zu sitzen, mir jetzt erzählen zu können Du auch. Ich konnte zum allerersten Mal in meinem Leben mit meinem Kind Fußball spielen.
Und das sind eben so Sachen, die ich sag mal, die werden niemals in irgendeine medizinische Statistik und die werden niemals in irgendeine Studie so krass aufgenommen werden. Aber es ist jetzt ein aktives Erleben, dass ich einfach sage, es ist ein wirklich interessantes Thema. Es ist total wild diskutiertes Thema, aber es gibt halt vielen Menschen unglaublich tolle Möglichkeiten. Ich finde nach wie vor einen meiner Patienten besonders interessant.
Als Mensch, aber auch in dem, was er mir berichtet hat. Wenn man dann eben hört, dass Menschen mit starker Epilepsie, die sonst tagelang nach ihren entsprechenden Attacken, der sie nur noch mit Schmerzen zu Hause lagen und jetzt sagen können ich kann wieder Vollzeit arbeiten, die entsprechenden epileptischen Attacken sind viel weniger geworden und sind weniger intensiv geworden und sie haben eine weniger Nachwirkung.
Und egal was es dann am Ende heißt, finde ich das halt sehr beeindruckend, dass man dann wirklich ganz klar von seiner Richtung her sinnvoll, aber auch eben im ganzen lebensverändernden Medikationen ausgeht. Im Grunde fällt es mir immer schwer zu sagen, das ist was ganz Neues, weil ich halt doch so einige Patienten und Patienten betreue und da eben auch wirklich unterschiedlichste Krankheitsbilder erlebe.
Ich persönlich fand eine Situation besonders schön, als einer meiner eigenen Patienten mit starkem Parkinson auf einmal unter der Therapie selbst relativ entspannt mit mir sprechen konnte, weil er eben einfach von der gesamten Symptomatik des Parkinson weniger eingeschränkt war und sich wieder mit mir austauschen konnte, was vorher schon gar nicht möglich gewesen wäre. Und das ist das, wo ich momentan immer ja, sagen wir mal ein bisschen mit einem weinenden und einem lachenden Auge hinsehe, weil ich eben mitbekomme, was es für einen riesigen Unterschied macht im positiven Sinne für diese Menschen.
Und das ist aber trotzdem gerade bei älteren Personen oft noch als Droge abgestempelt, ist und man da sich von vornherein schon verweigert. Einfach nur deswegen, weil es eben diesen Ruf hat. Und das finde ich sehr schade, weil ich sage mal also mir fallen diverse Sachen ein, die ich ganz entspannt mit meinem Arzt aus Weiß in einer ganz regulären Apotheke kaufen könnte, die, wenn man die Chemie versteht und einzusetzen weiß, genauso als Droge benutzen könnte.
Es hat nur eben nicht diesen schlechten Ruf. Andersrum umso positiver, wenn mir dann jemand erzählt, dass er jetzt eine positive Entwicklung hat und man andersherum aber auch sagt, dass es nie das, dass man sagen könnte, es rettet jetzt alles an allen Krankheitsbildern und macht alles super. Aber es ist halt viel vielseitiger und viel gezielter einsetzbar, als ich das selbst auch jemals gedacht hätte.
Im Grunde formuliert ist das ziemlich treffend. Ich selbst bin auch immer so, dass ich auch in den Erstgesprächen, wenn die Menschen schon super super erleichtert sind, dass sie es überhaupt ärztlich verordnet bekommen, auch grundsätzlich immer sage, dass es niemals die Lösung für alles sein wird. Und das ist jetzt nie egal, was IM nachgesagt wird und egal von wem.
Ich gehe nicht davon aus, dass diese krassen Krankheitsbilder eigenständig heilen wird. In jedem Fall kann man aber den Menschen einfach die Möglichkeit geben, dass sie mehr von ihrem Leben genießen können. Und das ist ehrlich gesagt etwas, was für mich ganz viel mit Ärztin sein zu tun hat, darüber nachzudenken. Das heißt für mich eigentlich damit zu tun, einfach Mensch zu sein und zu überlegen was kann ich jetzt mit meiner Expertise und mit meinen Kontaktmöglichkeiten in jegliche fachliche Richtung ändern für diese Menschen?
Dr. Viviane Küllmar, Ärztin mit Schwerpunkt Cannabinoidtherapien, beschreibt Medizinisches Cannabis als „weitere Möglichkeit“ – besonders relevant, wenn Opioide oder andere Standardmittel Nebenwirkungen verursachen oder nicht ausreichen. Ihr Fokus liegt auf realistischen Zielen: weniger Spastik, besserer Schlaf, mehr Alltag – kein Heilsversprechen. Sie betont regelmäßige Verlaufsgespräche im kurzen Intervall, um Wirkung und Verträglichkeit transparent zu steuern.
Spastik gehört zu den belastendsten MS-Symptomen; sie mindert Mobilität, Schlaf und Lebensqualität. Cannabinoide adressieren spastikassoziierte Beschwerden, inklusive Schmerz und Nachtschlaf, die für Alltagsfunktion entscheidend sind. Küllmars Praxisbeispiele spiegeln diese patientenzentrierten Outcomes: wieder durchschlafen, Familienaktivitäten, berufliche Stabilisierung.
Seit 2017 kann „Cannabis auf Rezept“ verordnet werden, wenn anerkannte Therapien nicht ausreichen; vor Cannabisblüte oder Extrakten ist zu prüfen, ob geeignete cannabishaltige Fertigarzneimittel (z. B. Nabiximols) verfügbar sind. Für MS-Spastik ist die Indikation in Deutschland etabliert; Versorgungsbeiträge betonen den Zusatznutzen als Add-on in moderat bis schwerer Spastik.
Küllmar erlebt Vorbehalte – „Droge“ statt „Arznei“ –, besonders bei älteren Menschen. Aufklärung über geprüfte Qualität, ärztliche Steuerung, realistische Ziele und klare Indikationen reduziert Barrieren und fördert adherence.
Real-World-Daten legen nahe, dass frühe klinische Antwort im ersten Monat ein Prädiktor für anhaltenden Nutzen ist; etwa 40% der Frühresponder erreichen eine klinisch relevante Verbesserung. Konsequenz: frühe Re-Evaluation und klare Stop-Regeln vermeiden „Therapie ohne Ziel“.
Cannabis ersetzt nicht Physio-, Ergo-, Sport- und Schlaftherapie; es ergänzt sie. Multimodale Ansätze stabilisieren die Effekte (Tonuserleichterung, Schlafstruktur) und verbessern die Teilhabe.
Medizinisches Cannabis kann bei MS, insbesondere bei moderater bis schwerer Spastik, als Add-on spürbare alltagsrelevante Entlastung bringen – vor allem beim Schlaf und spastikassoziierten Beschwerden. Dr. Küllmars ärztliche Erfahrung unterstreicht: realistische Ziele, enges Monitoring und entstigmatisierende Aufklärung sind entscheidend; das „Cannabis auf Rezept“ ist ein Baustein, kein Ersatz für die MS-Gesamtbehandlung.
Wir helfen Ihnen dabei die Therapie mit Medizinalcannabis so einfach wie möglich zu starten, um so schnell wie möglich die Symptome ihrer Multiplen Sklerose zu lindern. Gehen Sie wie folgt vor, um an Ihren individuellen Therapieplan zu kommen
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Medizinisches Cannabis kann bei MS-bedingter Fatigue und Schlafstörungen unterstützend wirken, indem es das Energielevel erhöht und die Schlafqualität verbessert.6
6 Filippini G, Minozzi S, Borrelli F, Cinquini M, Dwan K. Cannabis and cannabinoids for symptomatic treatment for people with multiple sclerosis. Cochrane Database Syst Rev. 2022 May 5;5(5):CD013444. doi: 10.1002/14651858.CD013444.pub2.
Studien zeigen, dass medizinisches Cannabis bei MS-bedingten Schmerzen effektiv ist. Die Behandlung schmerzhafter Spasti k bei Multipler Sklerose mit Cannabinoiden ist inzwischen etabliert, wenn sich die Optionen der Standardtherapie in als unwirksam oder unverträglich erwiesen haben.2
2 DGS-PraxisLeitlinie Cannabis in der Schmerzmedizin Version: 2.0 für Fachkreise, Erscheinungsjahr: 2024 Verantwortliche Leitlinienautoren: Dr. med. Johannes Horlemann und Norbert Schürmann, https://dgs-praxisleitlinien.de/wp-content/uploads/2024/08/PLL_Can_2024_v2_web.pdf (zuletzt aufgerufen am 11.07.2025)
Bei der Therapie mit medizinischem Cannabis können Nebenwirkungen auftreten, die meist mild und vorübergehend sind. Typische Nebenwirkungen sind u. a. Müdigkeit, Schwindel, veränderter Appetit oder trockener Mund.7 Die meisten Nebenwirkungen treten zu Beginn der Therapie auf und lassen mit der Zeit nach. Durch eine ärztliche Begleitung und individuelle Dosierung können die Nebenwirkungen minimiert werden. Bei Unsicherheiten sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin.
7. Bar-Lev Schleider L, Mechoulam R, Sikorin I, Naftali T, Novack V. Adherence, Safety, and Effectiveness of Medical Cannabis and Epidemiological Characteristics of the Patient Population: A Prospective Study. Front Med (Lausanne). 2022 Feb 9;9:827849. doi: 10.3389/fmed.2022.827849.
Die MS-Therapie basiert auf mehreren Säulen, die oft kombiniert werden:
1. Basistherapie (verlaufsmodifizierende Therapie):
2. Schubtherapie:
3. Symptomatische Therapie:
4. Ergänzende Therapien:
Medizinisches Cannabis kann diese Therapien sinnvoll ergänzen:
Wichtig: Die Therapiewahl erfolgt individuell und wird regelmäßig an den Krankheitsverlauf angepasst.
Die ersten Anzeichen einer Multiplen Sklerose können sehr unterschiedlich sein und werden oft nicht sofort mit MS in Verbindung gebracht:
Häufige Frühsymptome:
1. Sehstörungen:
2. Sensibilitätsstörungen:
3. Motorische Störungen:
4. Erschöpfung:
Wichtig: Diese Symptome können auch andere Ursachen haben. Bei anhältenden Beschwerden sollte ein Neurologe aufgesucht werden. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto früher kann eine passende Therapie beginnen.
Bei MS-bedingten Muskelkrämpfen (Spastiken) entfaltet medizinisches Cannabis seine Wirkung über das körpereigene Endocannabinoid-System (ECS). Das ECS reguliert die physiologischen Prozesse im Körper und spielt eine Schlüsselrolle bei der Schmerzregulation, Neurogenese und der Immunantwort. Die aktiven Bestandteile von Cannabis wie Tetrahydrocannabiol (THC) und Cannabidiol (CBD), binden an die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 im Körper.3,4 Diese Bindung kann die Muskelspannung reduzieren und so Krämpfe und Spastiken lindern.
3 Castorena CM, Caron A, Michael NJ, Ahmed NI, Arnold AG, Lee J, Lee C, Limboy C, Tinajero AS, Granier M, Wang S, Horton JD, Holland WL, Lee S, Liu C, Fujikawa T, Elmquist JK. CB1Rs in VMH neurons regulate glucose homeostasis but not body weight. Am J Physiol Endocrinol Metab. 2021 Jul 1;321(1):E146-E155. doi: 10.1152/ajpendo.00044.2021.
4 Di Marzo V, Piscitelli F. The Endocannabinoid System and its Modulation by Phytocannabinoids. Neurotherapeutics. 2015 Oct;12(4):692-8. doi: 10.1007/s13311-015-0374-6.
Bei der MS-Behandlung kommen verschiedene Cannabis-basierte Medikamente zum Einsatz. Nabiximol ist in Form eines Mundsprays mit standardisiertem THC-CBD-Verhältnis speziell für MS-Spastiken zugelassen.9 Das synthetisch hergestellte Dronabinol ist als Öl oder in Form von Kapseln erhältlich. Medizinalcannabis-Blüten mit verschiedenen Wirkstoffprofilen können über eine Teezubereitung oder die Inhalation eingenommen werden. Bei Inhalation tritt die Wirkung meist innerhalb von Minuten ein, bei oraler Einnahme kann es ein bis zwei Stunden dauern.10 Ihr Arzt/Ihre Ärztin erstellt Ihnen einen individuellen Therapieplan, der genau auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt ist.
9 Fachinformation Sativex® https://www.fachinfo.de/fi/detail/013156/sativex-spray-27-mg-25-mg-zur-anwendung-in-der-mundhoehle (zuletzt aufgerufen am 11.07.2025)
10 Lucas CJ, Galettis P, Schneider J. The pharmacokinetics and the pharmacodynamics of cannabinoids. Br J Clin Pharmacol. 2018 Nov;84(11):2477-2482. doi: 10.1111/bcp.13710.